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Kim

großer Meister

  • »Kim« ist der Autor dieses Themas

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1

Dienstag, 15. Januar 2008, 08:37

Fragen an Joscha Sauer

Hallo Joscha,

willkommen hier bei uns im Forum. zuerst mein offizieller Dank für Deine Bereitschaft, dass Du Dich hier mutig unseren bohrenden Fragen stellst! Und da ich hab gleich die ersten:
Mich würde nämlich mal interessieren, wie Du überhaupt zur Zeichnerei gekommen bist. Hast Du vor www.nichtlustig.de auch andere Werke veröffentlicht oder bist du gleich mit deiner website gestartet?
Wie kam das mit der website? War das eine spontane Idee oder hattest du da von Anfang an einen Masterplan im Kopf?
Und: Wie sieht Dein Arbeitstag aus? Schaffst Du wirklich jeden Tag mindestens einen Cartoon? ;)

Joscha

Anspitzer

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2

Dienstag, 15. Januar 2008, 09:01

Dann erstmal ein grosses Hallo an alle hier im Forum!

Und dann gleich mal zum Kims Fragen:
NICHTLUSTIG ist tatsächlich meine erste "richtige" Veröffentlichung gewesen.
Davor habe ich zwar mal ein paar Illustrationen für ein Frankfurter Stadtmagazin gemacht, bin mal in einer Kinder-Faschings-Sendung als Maler aufgetreten und hab den dritten Platz im grossen "Teenage Mutant Ninja Turtles"-Zeichenwettbewerb in den 80er Jahren in der BRAVO gemacht, aber was richtig eigenständiges hab ich erst mit NICHTLUSTIG veröffentlicht.
Gezeichnet hab ich eigentlich schon mein ganzes Leben lang. Aber ich hatte schon sehr früh den Plan aufgegeben, Comiczeichner zu werden. Alle Comiczeichner, die ich früher kennengelernt habe, erzählten mir, dass sie von ihren eigenen Sachen nicht leben könnten und deshalb hautsächlich Auftragsarbeiten machen. Oder eben noch nen ganz anderen Job nebenher. Das ist ja leider heute nicht viel anders. Aber damals habe ich für mich beschlossen, dass ich das nicht will.
Ausserdem hatte ich sehr früh eine Passion für Film und es stand für mich lange Zeit fest, dass das mein Ziel ist: Filme machen. Die Zeichnerei kam mir natürlich auch in dieser Zeit zugute, da ich Storyboards und Skizzen für meine eigenen Filme anfertigen konnte. Wirklich produziert hab ich dann aber nur zwei Musikvideos. Eine krude Mischung aus Realfilm, Puppentrick und Animation.
Ich hab dann aber sehr schnell gemerkt, dass ich damit Schwierigkeiten hatte, dass mir so viele Leute bei den Musikvideos reinquatschen wllten. Das Label, die Musiker, die Geldgeber. Das war mir damals zuviel, weil ich selbst noch nicht genug künstlerisches Selbstbewusstsein hatte und ich das Gefühl hatte, mehr Dienstleister als Künstler zu sein.
In dieser Zeit habe ich dann meine ersten Geh-Versuche mit dem Internet gemacht. Das war Anfang 2000 und das Internet wurde grade populärer (Boris Becker sei Dank).
Aus einer Laune heraus hatte ich mir die Domain www.NICHTLUSTIG.de reserviert und hatte angefangen, dort Cartoons online zu stellen. Ohne wirkliches Ziel. Einfach nur, um die Zeit zu überbrücken, in der es mit den Musikvideos nicht so lief und um zu testen, ob ich das überhaupt kann.
Ich hab seitdem kein weiteres Musikvideo gemacht, weil ich es sehr viel befriedigender fand, nur meine eigenen Ideen und Wünsche zu veröffentlichen und daran zu wachsen. Bis ich dann schliesslich ein Buch beim Carlsen-Verlag veröffentlicht habe, gingen dann aber noch drei Jahre ins Land. Und in dieser Zeit hätte ich ohne die Grosszügigkeit meiner tollen Eltern nicht durchhalten können. Es kam zwar immer mal wieder ein bisschen Geld rein durch den Verkauf einzelner Cartoons, aber bei weitem nicht genug, um davon leben zu können.
Und für Auftragsarbeiten war ich nicht wirklich geeignet. Zum einen bin ich nicht sehr flexibel in meinem Stil, ich bin zeitlich nicht der Zuverlässigste (Wann sollte NICHTLUSTIG 4 nochmal erscheinen?) und vor allem hab ich ein Problem damit, mir von anderen Leuten sagen zu lassen, was ich wie zeichnen soll.
Hätte es nach drei Jahren und vielen Anfragen bei Verlagen also nicht mit NICHTLUSTIG geklappt, hätte ich wohl damit aufgehört und wäre an eine Filmhochschule gegangen.
Aber so isses ja gottseidank nicht gekommen.
Und jetzt kann ich meinen Kühlschrank alleine füllen und plane sogar, wieder im Filmbereich was zu machen. Diesmal mit eigenem Geld und mehr Selbstbewusstsein.

So, das war jetzt eine lange Antwort zum Start.
Wer jetzt noch wach ist, kann ja die nächste Frage stellen.

Joscha

Anspitzer

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3

Dienstag, 15. Januar 2008, 09:18

Jetzt hab ich glatt die Frage nach meinem Arbeitstag vergessen...

Meine Arbeitstage sind leider sehr unterschiedlich.
Ich denke oft, dass es mir besser täte, einen geregelteren Arbeitstag zu haben, aber bisher hab ich das nie lange durchgehalten.
Da ich ein ziemlicher Nachtmensch bin, kann ich am besten arbeiten, wenn alle anderen grade ins Bett gehen. Das macht einen natürlich sehr gesellschaftsunfähig, weil ich nach solch produktiven Nächten dann auch oft bis zwölf schlafe.
Aber leider läuft es meistens so ab. Tagsüber kümmere ich mich um das Beantworten von Mails, erledige Telefonate und Sachen, die mit meinem Verlag geklärt werden müssen. Und abends komme ich dann langsam kreativ in die Gänge.
Dann kann es auch sein, dass ich durchschreibe und zeichne, bis zum nächsten morgen.
Da neige ich leider zu Extremen. Entweder ich mache sehr wenig und nur das nötigste. Oder ich überlade mich komplett, und komme mehrere Wochen kaum unter Leute, bis ich ein grösseres Projekt abgeschlossen habe.
Irgendwann krieg ich das hoffentlich ausgewogener hin.

Der Daniel

Moderone

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4

Dienstag, 15. Januar 2008, 09:27

Wow, Joscha Sauer... Das glaubt mir keiner. Ich bin extra nicht zur Arbeit wegen dieses Events (dass ich krank bin und seit letzter Woche Donnerstag zu Hause sitze, ist nebensächlich).
Allerdings ist es früh am Morgen und ich habe keine bessere Frage im Kopf als die nach dem Doppelpunkt kommende:
Wie wär's mit einem Nichtlustig-Kinofilm? Nur ohne Kino. Eher das Buch zum Film ohne Film. Ich mag nämlich deine langen Geschichten.
(Moment mal... Das war eher ein Lob versteckt in einer Frage. Entschuldige, es ist noch früh.)

Kleine Frage zum Schluss: Woher kommt deine Katze.. nein, dein Kater mit dem ungewöhnlichen Namen "Vom Wochenende"?

Joscha

Anspitzer

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5

Dienstag, 15. Januar 2008, 09:35

NICHTLUSTIG halte ich für nen Kinofilm nicht geeignet.
Für ne Fernsehserie aber umso mehr.
Da es nicht EINE Handlung gibt und nicht EINE Hauptfigur, wäre NICHTLUSTIG in einer Fernsehserie sehr viel besser aufgehoben. Da könnten dann in einer Folge die Yetis die Hauptfiguren sein und in der nächsten die Professoren. Das könnte ich mir sehr gut vorstellen.
NICHTLUSTIG als Fernsehserie ist auf jeden Fall ein Projekt, das ich weiter verfolgen werde.

Meinen Kater mit dem schönen Namen "Vom Wochende" hab ich aus einer Martini-Flasche. Unmöglich, dass die da Tiere reinstopfen.

Tom Sausen

Tuscher

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6

Dienstag, 15. Januar 2008, 09:36

@Joscha.
Ich mag Deine Sachen und meine Freundin ist ein großer Fan. Zwar hängen in unserer Wohnung "Eika und Hannibal"-Poster im Wohnzimmer. Aber im Flur am Spiegel baumelt eine Lemmingfigur, wir besitzen alle Nichtlustig-Hardcover und haben uns zu Nikolaus auch das Spiel gegönnt.

2007 war für dich ein nicht so glückliches Jahr. Mich würde es interessieren, wie Du Dich wieder aufgerafft hast? Hattest Du im letzten Jahr wirklich kaum/keine Cartoons gemacht? Oder schonmal für den Relaunch einiges an Material vorbereitet.

Dann hast Du ja die Nichtlustig GbR gegründet, wie kam es zu dem Schritt? Wie läuft da die Arbeit ab? Wie habt ihr den Shop gemacht? Und wie kam es zur besagten Lemming-Figur die bei mri am Spiegel hängt?

Zwischentzeitlich dachte cih, dass Du mit Carlsen gebrochen hättest. Aber danach sieht es nicht aus und Nichtlustig 4 erscheint wie gewohnt irgendwann bei Carlsen?

So viele Fragen.. sorry ;)

Karl

Tuscher

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7

Dienstag, 15. Januar 2008, 09:53

hallo joscha!
was mich interessieren täte: wieviele anfragen bei wie vielen verlagen (nur so in etwa) hats denn gebraucht, bis es carlsen mit dir versucht hat?
hast du schon vorher kleinere veröffentlichungen gehabt oder hat das veröffentlichen mit carlsen begonnen?
Wer regelmäßig vorbeischaut, wird beinahe jede Woche (wenn sichs ausgeht) mit einem frischen Cartoon belohnt!


Joscha

Anspitzer

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8

Dienstag, 15. Januar 2008, 09:53

Hallo Tommy,

dann mal der Reihe nach.
Im September letzten Jahres zeichnete sich langsam ab, dass sich die Situation in meiner Familie entspannt und ich daran denken konnte, wieder an den Arbeitstisch zurückzukehren. Natürlich hab ich nicht das ganze Jahr nichts getan. Aber viel war es wirklich nicht. Hauptsächlich schnelle Skizzen und Notizen. Viele davon nicht brauchbar oder nur Design-Überlegungen. Inhaltlich hab ich letztes Jahr kaum was gemacht.

Wieder aufraffen konnte ich mich dann aber relativ gut. Denn die Arbeit hat mir ja auch gefehlt. Es hat mir gut getan, ca 20 fertige Cartoon-Ideen in meinem Skizzenbuch zu finden. Ein paar davon waren sogar von 2005. Die hab ich erstmal runtergezeichnet, um wieder das Gefühl für die Arbeit zu kriegen. Das hat auch ganz gut funktioniert. Meistens kriege ich beim Zeichnen die besten Ideen für weitere Cartoons. Daher war's fantastisch, dass ich diesen Ausgangspunkt hatte.

Dann habe ich mich mit Matze Vogel hingesetzt und ihm gezeigt, wie ich mir die neue Internetseite vorstelle. Da hab ich mit Matze mittlerweile ne recht gute Routine, da das ja schon die dritte Generation der NICHTLUSTIG-Seite ist, die er für mich programmiert. Und auch hier war gut, dass ich einfach Dinge hatte, die ich abarbeiten konnte. Die Animatonen und die Designs für die Internetseite haben mir geholfen, sehr schnell wieder den Weg in meine Photoshop- und Flashroutine zu finden.

Die Firma haben wir schon früher im Jahr gegründet, auch wenn wir wussten, dass ich erstmal nicht arbeiten kann. Ich war einfach nie zufrieden damit, dass quasi kein NICHTLUSTIG-Merchandise existierte. Noch nicht mal, weil ich scharf auf die Kohle war, sondern weil ich selbst Figuren und T-Shirts von meinen Charakteren haben wollte. Als ich dann Anfang 2006 die Möglichkeit hatte, alle Nebenrechte an meinen Sachen zurückzukriegen, musste ich nicht lange überlegen. Und seitdem machen ich und Matze den Shop und das Merchandise selbst. Bisher klappt das ganz gut.

Und zum Thema Carlsen-Verlag:
Die Carlsens hätten nicht verständnisvoller auf meine Zwangspause reagieren können, als sie das getan haben. Ich bin denen sehr dankbar, dass grade aus dieser Ecke überhaupt kein Druck, sondern nur positive Unterstützung kam.
Ich bin mit meinem Verlag sehr zufrieden und werde auf jeden Fall im Buchbereich weiter mit ihnen zusammenarbeiten.
Nur im Merchandise-Bereich mach ich das jetzt auf eigene Kappe. Das finden die Carlsens aber auch richtig und fühlen sich wohl damit, weiterhin für die Bücher zuständig zu sein.

Joscha

Anspitzer

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9

Dienstag, 15. Januar 2008, 10:05

Antwort an Karl:

NICHTLUSTIG beim Carlsen-Verlag ist tatsächlich meine allererste Veröffentlichung.

Wieviele Verlage ich vorher angesprochen und angeschrieben habe, weiss ich gar nicht mehr. So ziemlich alle...

Ich bin zwei Jahre hintereinander mit farbigen Demo-Mappen über die Buchmesse gelaufen und habe jedem entfernt in Frage kommenden Verlag eine von den Mappen dagelassen oder versucht, direkt mit einem Redakteur zu reden. Nur Absagen.
Auch bei Carlsen hat man mich im ersten Jahr mit den Worten weggeschickt "Cartoons machen wir ja gar nicht, nur Comics."

Im zweiten Jahr hatte ich dann den Bonus, dass ich grade Ralph Ruthe kennengelernt hatte, und der stellte mich dann direkt Joachim Kaps vor (dem damaligen Chef von Carlsen-Comics). So hatte ich zumindest direkten Kontakt mit jemandem, der selbst Entscheidungen treffen konnte. Erst drei Monate später hörte ich dann aber wieder von ihm. Kurze Zeit später hätte ich NICHTLUSTIG aufgeben müssen, weil ich tatsächlich kein Geld mehr für Lebensmittel hatte und mich von trockenen Cornflakes ernährt habe.

Empfehlungen und Beziehungen sind allerdings kein Garant für einen Verlagsvertrag. Im ersten Jahr hat mich Martin Perscheid, der meine Sachen kannte und mochte, den Lappan-Leuten vorgestellt. Aber dort hatte man kein Interesse.
Tatsächlich hat kein Verlag ausser Carlsen Interesse an meinen Cartoons gezeigt.
Auf der ersten Vertreter-Konferenz beim Carlsen-Verlag wurde ich dann auch gefragt, warum ich grade zum Carlsen-Verlag gekommen sei. Meine Antwort: "Sonst wollte keiner."

Tom Sausen

Tuscher

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10

Dienstag, 15. Januar 2008, 10:14

Nochmal zur Lemming-Figur oder den Bücherstützen oder das Spiel.

Wolltest Du immer eigene Figuren haben? Wie war da der Arbeitsprozess? Und wie war das Geüfhl, auf einmal siene Werke in 3D vor sich stehen zu haben?

Und wie wurde das Spiel realisiert? Also ich muss wohl noch paar Runden spielen, um die Regeln alle intus zu haben. Fand die Idee aber lustig. Wolltest Du ein Spiel machen? Kam ein Partner mit dem Konzept? Und wie wurde Regelwerk und alles drumherum realisiert?

Joscha

Anspitzer

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11

Dienstag, 15. Januar 2008, 10:36

Der Lemming und das Spiel haben ganz unterschiedliche Entstehungsgeschichten.

Das Spiel ist durch eine Lizenzanfrage des Kosmos-Verlages entstanden. Carlsen hat denen 2005 die Rechte verkauft, ein NICHTLUSTIG-Spiel zu machen. Daraufhin hatte ich mit Wolfgang Luedtke von TM-Spiele zu tun, die für Kosmos das Spiel-Konzept und das Layout entwickeln sollten. Das erste Konzept, das ich vorgelegt bekommen habe, fand ich katastrophal. Ich hab diesen Prototyp immer noch bei mir, und packe ihn gerne in ner leicht angetrunkenen Runde aus, um die Spielregeln vorzulesen. Das kommt immer sehr gut an. Kurz erklärt sollte man in diesem ersten Konzept Cartoons nach Sätzen ordnen, die man von kleinen Kärtchen ablesen konnte. Die anderen Mitspieler sollten dann raten, wie man sich entschieden hat. Das bizarre waren die Sätze, nach denen man die Cartoons ordnen sollte. Hier ein paar meiner Highlights:

- Welches Bild erinnert Dich an Deine erste Liebe?

- Welches Bild macht Dich ganz müde?

- Bei welchem Bild fällt Dir am ehesten ein schweinischer Witz ein?

Verständlicherweise hab ich dieses Konzept nicht abgenickt, sondern habe versucht, den Leuten zu erklären, was für mich NICHTLUSTIG ausmacht. Die Charaktere, die Verbindungen, die Running-Gags... Daraus haben sie dann versucht, ein neues Konzept zu erstellen und ich habe dann versucht, die Karten und Charaktere möglichst gut damit zu verbinden. Ich denke, das Ergebnis ist ganz akzeptabel geworden. Ich selbst spiele fast nie Tischspiele, aber ich habe gehört, dass das Spiel Spass macht.
Irgendwann gibt's vielleicht nochmal ein grösseres NICHTLUSTIG-Spiel, in dem dann auch mehr Humor und Handlung vorkommt. Aber für's erste bin ich mit dem kleinen Würfel und Kartenspiel sehr zufrieden.

Die Lemming-Figur ist eigentlich ein altes Konzept, das ursprünglich der Carlsen-Verlag machen wollte. Ich habe also mit einem Skulpteur Kontakt aufgenommen, der mir empfohlen wurde, und habe ihm dann mit Entwürfen und Korrekturen auf Fotos gezeigt, wie die Lemming-Figur aussehen soll. Nach einigen Änderungen war die Figur dann fertig und der Prototyp verschwand bei Carlsen in der Schublade. Denn als man nochmal genau kalkulierte, wollte man sich doch nicht an die Figur rantrauen.
Erst letztes Jahr habe ich dann von den Carlsens den Prototyp und die Erlaubnis erhalten, damit zu machen, was ich will. Und da wir im NICHTLUSTIG-Shop den Direktvertrieb haben, also weder Vertreter, noch Einzelhändler dazwischen, konnten wir die Figur jetzt in ner kleineren Auflage zu nem höheren Preis produzieren und trotzdem ohne viel Risiko verkaufen.

Das ist das schöne am NICHTLUSTIG-Shop. Ich kann dort nun ne Menge sachen ausprobieren und produzieren lassen, ohne ein zu grosses Risiko einzugehen. Ich hoffe, es läuft weiterhin so gut wie mit dem Lemming.

Und jetzt noch zu Deiner Frage, wie es ist, plötzlich seine eigenen Figuren in 3D zu sehen: Leider gibt es den Aha-Effekt ja nicht, wel man selbst von Anfang an jeden kleinen Schritt verfolgt. Und dadurch gibt es ja kein "Plötzlich". Ich mag die Figur sehr gerne, aber ich war nie überrascht, weil ich während der ganzen Produktion zu nah dran war.

xtin

leeres Blatt

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12

Dienstag, 15. Januar 2008, 11:15

Hallo Joscha

Hast du noch einen der Lemminge irgendwo rumliegen? Ich wollte unbedingt einen aber da waren sie schon weg (und ungeduldig bin ich auch...) =(... Ich hab auch gute Gründe: Ich bin der 1ste der hier fragt und hab alle Bücher (die ersten 2 davon signiert...). Oh und am allerbesten wär ja, wenn er noch signiert wär ... =)

geht das? irgendwie? ja?

(Adresse etc. per Mail oder so, PayPal hab ich auch ;) )

Miq

leeres Blatt

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13

Dienstag, 15. Januar 2008, 11:41

Hi Joscha,

ich bin heilfroh, dass es wieder NICHTLUSTIG gibt, ich war echt auf Entzug. Ich finde es toll, wie Du immer wieder neue Blickwinkel auf die Standardakteure (Yeti, Ente, Tod, Riebmann,...) findest, man hat einen Wiederekennungseffekt und trotzdem überraschende Wendungen.

Ich sehe immer wieder Ähnlichkeiten zu Gary Larson, den ich auch schätze, aber der ist irgendwie härter drauf... :D Inspiriert der Dich eventuell auch ein bisschen?
Miq.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Miq« (15. Januar 2008, 11:42)


Munenori

leeres Blatt

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14

Dienstag, 15. Januar 2008, 11:57

Hi Joscha,

ich hoffe dass du mal wieder auf einer Buchmesse oder so bist, damit ich endlich mal meine NichtLustig Bücher signieren lassen kann, bisher habe ich das immer verpaßt.

Woher nimmst du deine Ideen? Der aktuelle Comic der z.b. heute zu sehen ist mit dem Arzt und dem Hammer, ich finde ihn wirklich zum kaputtlachen, aber wie bist du z.b. auf diese Idee gekommen?

Wenn du jetzt an NichtLustig 4 arbeitest oder als du noch an den früheren Bänden gearbeitet hast, hattest du da manchmal auch einen Kreativblock dass dir nichts eingefallen ist? Wie überwindest du so etwas, falls das bei dir Auftritt?
Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden. Psalm 90,12

andirasper

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15

Dienstag, 15. Januar 2008, 12:02

Erstmal super das Du Dich hier bereit erklärst dem Nachwuchs Tipps zu geben und aus dem Nähkästchen zu plaudern. Eigentlich habe ich gar keine Frage an Dich, ich bin einer von den langweiligen Auftragsarbeitszeichnern. Was mich brennend interessiert ist Deine Leidenschaft für einen Film, mein größter Traum ist es mal einen Film zu machen, eigentlich ist das einzige Problem das man dazu vielzuviel Geld und Zeit braucht. Hat man das eine fehlt das andere, so geht es mir als Selbstständigen Einen jedenfalls. Ich finde immer die Qualität der Deutschen Produktionen fraglich. Können wir Deutschen einfach keine vernünftigen Trickfilme machen? Kenne ich einfach nur keine? Fragen über Fragen...Die Filmakademie Baden Württemberg zeigt ja eigentlich das es geht. Einen schönen Tag noch.

Graymen

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16

Dienstag, 15. Januar 2008, 12:08

ServuS Joscha!
Schön zu sehn das Du wieder am strichen bist.
Bei deiner Stiftwahl, wie bist du an diese Kalligraphiestifte gekommen?
Ich krieg damit mal keinen dynamischen Strich hin oder gibt es da einen Trick!?!

Stehen zur Zeit noch weitere Projekte an, die Du gerne verfolgen würdest?

In diesem Sinne weiterhin einen geilen Stiftschwung

Grayman

Ps: Es macht doch immer wieder Mut zu lesen, das man mit der Zeichnerei den Kühlschrank füllen kann :D :D :D

Yabba

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17

Dienstag, 15. Januar 2008, 12:27

Dann mal willkommen in Forum auch wenn es nur für kurze Zeit ist ;)

Zitat

Original von Joscha
Gezeichnet hab ich eigentlich schon mein ganzes Leben lang. Aber ich hatte schon sehr früh den Plan aufgegeben, Comiczeichner zu werden. [...]
Ausserdem hatte ich sehr früh eine Passion für Film und es stand für mich lange Zeit fest, dass das mein Ziel ist: Filme machen. Die Zeichnerei kam mir natürlich auch in dieser Zeit zugute, da ich Storyboards und Skizzen für meine eigenen Filme anfertigen konnte. [...]Es kam zwar immer mal wieder ein bisschen Geld rein durch den Verkauf einzelner Cartoons, aber bei weitem nicht genug, um davon leben zu können.


Zitat

Original von Joscha
Ich denke oft, dass es mir besser täte, einen geregelteren Arbeitstag zu haben, aber bisher hab ich das nie lange durchgehalten.
Da ich ein ziemlicher Nachtmensch bin, kann ich am besten arbeiten, wenn alle anderen grade ins Bett gehen. Das macht einen natürlich sehr gesellschaftsunfähig, weil ich nach solch produktiven Nächten dann auch oft bis zwölf schlafe.
Aber leider läuft es meistens so ab. Tagsüber kümmere ich mich um das Beantworten von Mails, erledige Telefonate und Sachen, die mit meinem Verlag geklärt werden müssen. Und abends komme ich dann langsam kreativ in die Gänge.
Dann kann es auch sein, dass ich durchschreibe und zeichne, bis zum nächsten morgen.
Da neige ich leider zu Extremen. Entweder ich mache sehr wenig und nur das nötigste. Oder ich überlade mich komplett, und komme mehrere Wochen kaum unter Leute, bis ich ein grösseres Projekt abgeschlossen habe.
Irgendwann krieg ich das hoffentlich ausgewogener hin.


Das klingt alles genau wie bei mir 8o
Nur sind es bei mir Kurzfilme und keine Musikvideos gewesen.

An dem Teil mit Kühlschrank nur durch Cartoons füllen muss ich noch arbeiten :D

Und um noch eine Frage zu stellen:

Kennst Du auch Cartoonisten, die geordneter arbeiten oder sieht das bei den meisten ähnlich aus (könnte ja so ein Zeichner-Gen in allen stecken, das eher kreativ-chaotisches Arbeiten fördert).
meine cartoons online:

(3 mal pro Woche ein neuer Cartoon)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Yabba« (15. Januar 2008, 12:27)


Karl

Tuscher

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18

Dienstag, 15. Januar 2008, 13:28

hast du eigentlich während es (noch) nicht so gut lief irgendwelche miesen jobs gemacht, um dich über wasser zu halten oder haben das alles die eltern/ nette anverwandte finanziert? (meine hätten mir bei einem solchen ansinnen wahrscheinlich gesagt: "bua, lern was gscheits!" :D)
Wer regelmäßig vorbeischaut, wird beinahe jede Woche (wenn sichs ausgeht) mit einem frischen Cartoon belohnt!


Milan

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19

Dienstag, 15. Januar 2008, 13:42

Hallo Joscha!
Erst mal danke danke danke dass du wieder da bist (hab dir noch keine mail geschrieben deswegen ;) ), zweitens danke danke danke für die Fragerunde.
Hab da grad über das Nichtlustigspiel gelesen (das ich grad meinem besten Freund zu Weihnachten geschenkt hab) und wollte deshalb unseren Simpel-Nichtlustig-Trinkspiel-Entwurf vorstellen:
Man nehme: 1 gut gefülltes Heim vom Kater "Schönes Wochenende"
1 Nichtlustig Buch
Man liest gemeinsam die Cartoon, wer lacht muss trinken.
Wir haben es noch nie weit gebracht weil schon auf der zweiten Seite "Robert, du bist adoptiert!" kommt und gegenüber der Quielmaster und der verrückte Hund, da is schon immer die halbe Flasche leer...

Zu meinen eigentlichen Fragen:
Wie kommt man eigentlich zu einem "Maskottchen"?
So ziemlich jeder Cartoonzeichner hat eins.
Ich meine, Ruthe hat seinen Koala (gern in Verbindung mit Nashorn und Giraffe), Wulffmorgenthaler den FUCAW-Biber, dann gibts da noch diverse andere die ich nich alle aufzählen muss...
(Du bist übrigens irgendwie der einzige mit einem ganzen Haufen "Maskottchen")

Wie kommt das? Denkt man vorher an die Möglichkeiten?
Hat man die im Sinn und fallen einem deswegen immer mehr Witze mit denen ein? Entwickeln die evtl mit der Zeit eine eigene Persönlichkeit so wie Buchcharaktere? Was bedeuten dir deine Figuren?

Dazu möchte ich anmerken dass die neuen Alien-Parasiten sehr gut in deinen Figurenzoo passen. Klasse Idee.

War das jetzt zu viel Lob und zu wenig Fragen, dann entschuldige ich mich :)

Alles Gute,

Milan
--
der noobigste noob von allen hier :)

Joscha

Anspitzer

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20

Dienstag, 15. Januar 2008, 14:00

Und weiter geht's.

Antwort für xtin:

Ich hab tatsächlich noch drei Lemminge zuhause rumliegen, ABER die geb ich nicht her. Die sind für ganz besondere Menschen und absolute Notfälle.
Aber die Warterei auf Lemming-Nachschub hat ja auch bald ein Ende. Wie ich gehört hab, sind die neuen schon produziert, werden jetzt noch mit dem Strick verknotet und verackt und sollten dann in ein paar Tagen im NICHTLUSTIG-Shop sein.

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