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Blitzkrieg Tezuka

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Sonntag, 28. Dezember 2025, 02:05

HIGHWAY, IRGENDWO IN DEN USA.
DRAUSSEN/TAGSÜBER





BETTINA (innerer Monolog)



Tja. Nun sitz ich hier. Neben mir ein
fetter, aufgedunsener Ami-Typ, voller Fastfood, Trucker-Mütze aufm Kopp, die
Wampe wippend zu Trucker-Musik. Aber was läster ich hier, „Ami-Typ“, hab ich
das wirklich gedacht? Bin ich nicht vollständig amerikanisiert, und was ist
daran schlimm? Man kannte das so, wenn man links war, wenn man Punk war, war
man auch gegen die USA, gegen ihre Kriege, aber man lästerte auch gegen die
Kultur, über alle Leute da. Habe da natürlich immer mit eingestimmt, über die
fetten, oberflächlichen, kulturlosen Amerikaner. Aber naja…gleichzeitig war es
auch die Zeit in der man sich dem erweiterten musikalischen Horizont öffnet,
und siehe da…Punk kommt eigentlich von drüben, nicht aus England! Dann Blues,
Soul, was für wunderbare Musik! War ich verlogen, schizophren? US-Serien,
US-Filme, New Hollywood ist genau meins. Aber klar, jenseits des Großen Teichs
blüht die Unkultur. Was ist mit Country & Western-Musik, Hoch- oder
Unkultur? Rebellen wie Tex Connelly oder Billy O’Shagg, selbst Woody Norman,
Idol meiner Eltern, hat ein, zwei Country-Alben aufgenommen. Aber warum ist diese
Musik in den Südstaaten so erfolgreich, 10-Gallonenhüte und
Konföderiertenflaggen? Knarrenschwingende Republikaner, die sind doch das
Zielpublikum, oder? Einflüsse aus der Schwarzen Musik, die haben die Jungs von
der Landstraße doch immer verleugnet, oder? Weiß wie die Kutten vom Ku Klux
Klan, so sehen die diesen Sound doch? Und wer ist eigentlich dieser Tex, weiß
ich das inzwischen? Rebell, Reaktionär, Patriot, Indianerfreund, oder eher
Freund von dem Ayatollah Gordon Douglas? Projektionsfläche für Hippies, Punks
und Rednecks? Frömmler oder Freigeist, erst von meinem Freund Sid für die
Jugend auf cool poliert? Schlicht wie sein Freund Danny Rossy, aber warum waren
dann seine Texte häufig so tiefsinnig? Und warum mögen Trucker ihn? Soll ich
mal nachfragen? Nein, will die Romantik nicht zerstören. Da fällt mir ein…wie
findet man denn die Musik von Danny hier, gilt Schlager hier als sowas wie der
Country der Deutschen? Ziehe ein ausgeleiertes Tape aus meiner Lederjacke,
reiche es dem Typen, er tut’s ins Kassettendeck, keine Emotion. Lächeln,
Gefallen oder Belustigung? Liebe es aus dem Fenster zu gucken, irgendwie ist
Amerika doch wunderbar. Was für wunderschöne Felsformationen jetzt. Sind alle
Menschen hier auch so wundervoll? Wir haben damals über die dummen Amis
gelästert – und jetzt bin ich selber mit einem zusammen. Einem der führenden
Produzenten in den Staaten. Manche nennen ihn eine Legende. Gucke nach rechts,
irgendwie wie in einem Song von Tex fühlt sich das jetzt an. Mitternacht in
einem liquor store in Texas. Wir halten nicht an einem Schnapsladen, sondern
bei so ner Fastfood-Bude, die aber bunt und stylish wie ein Pop-Art-Kunstwerk
wirkt. Kenn die Kette gar nicht. Während ich meinen Burger beiße, denke ich an
meine Mädelsgang in Bremen. Yana, die immer schlecht gelaunte Kunststudentin.
Palina, die Schauspielerin, die gerne viel redet, Filmgeschmack hat sie aber.
Grit, kurze, blonde Haare, stylish und girl next door, aber gleichzeitig total
links. Samineh, die jugendliche, frühreife Iranerin, wird ständig für älter gehalten,
weil sie halt so ein kluges Köpfchen ist/hat. Und unsere Königin, Merle,
Fotofachverkäuferin, Rock- und Punk-Liebhaberin, meine Beste seid Schulzeiten. Könnt
mal wieder SMS schreiben, aber lieber Fantasie spielen lassen, was die so
treiben. Lästern die vielleicht über mich? Halten mich für eingebildet, weil
ich mit Promis rumhänge. Weil ich’s nie schaffe eine Beziehung länger
durchzustehen. Lauf ja auch als Erwachsene noch mit Schleifchen im Haar rum,
wirkt sicher auf viele albern. Für die Girls drüben bin ich wahrscheinlich
schon komplett durchamerikanisiert und hier…“Blitzkrieg“. Wir halten an.

Blitzkrieg Tezuka

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Sonntag, 28. Dezember 2025, 02:11

ANWESEN VON SID SILVER, LONG BEACH, NEW YORK, DIESIGES, NASSKALTES WETTER.




Draufsicht auf zwei Räume. Partygäste, aufgekratzt, Drinks in der Hand, Smalltalk, Garagenpunk
erfüllt die Luft. Sid Silver sitzt – mit Whiskyglas in der Hand – am DJ-Pult
und guckt LPs durch. Schwarzes Gold, ebenso dunkle Klänge? Bettina kommt
angewankt, Cannabis-Geruch im Mund, verschwitzt vom Tanzen.





Kurze Draufsicht von draußen. Man sieht Sid durchs Fenster von hinten, wie er seine Platten durchgeht.




BETTINA (zu Sid)



Hey, Siddy, warum hasten eben „Stop! In
The Name Of Love“ von den Ramones aufgelegt?



SID (leicht abwesend, in seine Platten vertieft):



Ach, weißt doch, dass ich bald ein neues
Album rausbringe, mit ungewöhnlichen Coverversionen. Daher auch die Party. Kommt
demnächst noch weiteres, John Lee Hooker hat ja auch mal die Ramones gecovert,
und Townes Van Zandt Cat Stevens.



BETTINA (insistierend)



Naja, aber warum ausgerechnet der Song? Pere Ubu haben ja auch mal „Barbara-Ann“ von
den Beach Boys interpretiert? Wenn das jetzt „Bettina-Ann“ hieße? Oder da wir
eben bei den Joey, Johnny & Co. waren… die haben sich die Strandjungs auch
mal mit „Fun Fun Fun“ vorgenommen? Wäre vielleicht weniger deprimierend.



Sie zieht die entsprechende LP aus der Plattenkiste und betrachtet sie.




Es erklingt der The-Smiths-Titel „Half A Person“ in der Version von Cat Stevens. Dann Debbie Harry, wie sie „Waiting For My Man“ von Velvet Underground“ performed. Sid schaut irritiert.




BETTINA



Ja, Sid, so fühlte ich mich, bevor ich
dich traf.



Sid nimmt die
Nadel vom Plattenspieler und setzt diese woanders auf dem Vinyl an. Wieder die
Band Blondie, diesmal mit „There She Goes“. Er blickt Bettina an, in Erwartung,
dass sie weiß, wie das gemeint ist. Nächster Titel ist John Lee Hooker mit
„Falling In Love With A Girl“, White-Stripes-Interpretation. Wieder
vielsagender Blick. Bettina fängt an zu tanzen, zu strippen, Soundtrack dazu
„Killer Queen“ von den Sex Pistols. Sid verändert wieder etwas den Tonabnehmer,
Iggy Pop erweist „Sex Machine“, Original James Brown, seine Ehre. Bettina tanzt
ihn jetzt sexy an, wieder Modifikation des Stylus
(Fachbegriff
für Abtastnadel)
,
„Catholic Girls“ (Frank Zappa) in der Version Adam Greens.








BETTINA (irritiert)



Was soll das denn jetzt? Was bitte willst
du mir damit sagen.



Sie fängt an
ihre Kleidung zusammenzusuchen. Sid sagt – in seiner üblichen stoischen Art –
nichts. Legt stattdessen Johnny Cash’s „If I were A Carpenter“ auf, Otis
Redding schmachtet es.





BETTINA (mit gesenkten Schultern,
wieder vollständig angezogen
)



Verstehe. Du glaubst, dass ich dich nicht
mögen würde, wenn du ein einfacher Zimmermann wärst. Oder ein Klempner,
Lastwagenfahrer, Burgerbrater.



Sie nimmt ihre
Tasche, einen Jutebeutel mit Platten und verlässt das Haus. Sid blickt ihr
hinterher.

Richard Parzer

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Sonntag, 28. Dezember 2025, 22:03

Hallo , Blitzkrieg Tezuka ! Schon früher einmal hab ich mir ein paar von deinen Sachen angesehn . Deine Zeichnungen unterscheiden sich von allem anderen , was es sonst hier im Forum gibt . Und deine Storys sind wahrscheinlich die komplexesten . Leider fehlt mir das musikspezifische Fachwissen , das du bei deinen Leserinnen und Lesern anscheinend voraussetzt , um den Inhalt deiner Geschichte voll und ganz würdigen zu können . Trotzdem finde ich es schön , dass du deinen Entschluss , nicht mehr zu zeichnen , aufgegeben hast und wieder " rückfällig " geworden bist .

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Blitzkrieg Bettina (28.12.2025)

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24

Sonntag, 28. Dezember 2025, 22:51

Danke Richard. Könntest du vielleicht noch inhaltlich etwas auf meine letzten Seiten eingehen?
Ich bin mir sehr unsicher ob diese Form "Dialoge + Bilder" wirklich für jeden verständlich ist.

bene

Kims Klon

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25

Montag, 29. Dezember 2025, 00:03

Ich find's zeichnerisch einen großen Fortschritt zu deinen vorigen Beiträgen. Was vielleicht tatsächlich daran liegt, dich von der Comic-Form ein bisschen zu lösen und den Text großteils 'auszulagern'. Ein stimmiges Lettering für eine Comic-Seite bzw. entsprechende Aufteilung ist nämlich immer noch deine 'Achillesferse', finde ich, viel zu fitzelig-kleinteilig oft. Am besten gefallen mir deshalb die Seiten, bei denen du dich ganz auf's Atmosphärische & Illustrative konzentrieren konntest, z.B. gleich mal die ersten 3 Illus mit dem SW-Kontrast. Das 'experimentelle' Lettering in Bild 5 ("Bettina guckt melancholisch nach unten") gefällt mir wiederum sehr gut, weil es eben der visuellen Idee folgt, schön! Die Mischung aus SW und Farbgebung gefällt mir auch gut. Die Story kenne ich ja im Groben schon und hab's mir jetzt nicht nochmal alles durchgelesen, obwohl du hier und da wohl noch was verändert hast - mache ich bei Gelegenheit aber bestimmt mal noch...
Jedenfalls ist es glaube ich ganz gut für dich, solche Zwischenformen auszuprobieren. Das hier ist ja eine Art 'Drehbuch' oder 'Stück' mit Comic-Anteil, möglicherweise liegt dir ja z.B. auch eine Mischung aus Prosa und Illustrationen (sowas liest sich dann gedruckt evtl. auch etwas besser).

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »bene« (29. Dezember 2025, 00:11)


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Montag, 29. Dezember 2025, 01:30

Danke, Bene, schön dass bei mir ein Fortschritt festgestellt wurde.
Was meinst du mit "Mischung aus SW und Farbgebung"?
Dass ich meine Bilder mal bunt mal Schwarz-Weiß gestalte, oder wenn in einer Zeichnung bunt und grau aufeinander treffen?

bene

Kims Klon

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27

Montag, 29. Dezember 2025, 15:19

Was meinst du mit "Mischung aus SW und Farbgebung"?
Dass ich meine Bilder mal bunt mal Schwarz-Weiß gestalte, oder wenn in einer Zeichnung bunt und grau aufeinander treffen?
Beides.

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Blitzkrieg Tezuka (29.12.2025), Blitzkrieg Bettina (29.12.2025)

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Montag, 29. Dezember 2025, 21:48

@ Blitzkrieg Tezuka : Wenn man sich auch auf den Text einlässt ( und nicht nur auf die Bilder ) , dann , denke ich , ist diese Kombination von Bildern und Text , die du für deine Story gewählt hast , ohne Probleme für jeden verständlich . Natürlich könnten deine Zeichnungen , die die Tanzszene darstellen , auch für sich allein stehen . Aber dann wäre es nicht mehr möglich , die gedankliche und emotionale Tiefe deiner Geschichte in diesem Umfang rüberzubringen . Bettinas Gedanken , ihr " stream of consciousness " , ihre innersten Gefühle - all das könnte man in dieser Ausführlichkeit nie in bloße Bilder oder Panels packen . Du solltest auf jeden Fall weitermachen !

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Blitzkrieg Bettina (29.12.2025)

Blitzkrieg Tezuka

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29

Sonntag, 4. Januar 2026, 09:28




Nehme gegenüber den fünf Redakteuren der Bremer „Hey! Ho!“-Redaktion auf
einem Stuhl Platz. Mein Blick eine Mischung aus Abgeklärtheit und Erwartung.
Verziehe etwas das Gesicht bei den ganzen dicklichen, schwitzenden
Männerkörpern. Was wollen die von ihrer Lieblings-Punkerin? Angespannte Stille
im Raum, bis einer der Redakteure - auf
seinem T-Shirt ist eine ausgestreckte Zunge zu sehen - seine Stimme erhebt.



„Bettina, du hast
vielleicht mitbekommen, dass der Country-Sänger Tex Connelly gestern verstorben
ist. Für meine Generation war der Cowboy-Sound damals eher ein Feindbild. Die
wichtigste authentischste Wurzel der Musik, die wir hörten, kam aus den
Baumwollfeldern des Mississippi, das, was die Jungs von der Landstraße jodelten,
empfanden wir als reaktionär und hinterwäldlerisch.“


Gucke skeptisch. Allein auf meinem Stuhl, wie vor einem Tribunal,
klammere mich – immer noch um größtmögliche Coolness bemüht – mit den Händen am
Sitzmöbel fest. Einschüchternd das Gesamtbild des ganzen Redaktionsraumes.
EIN REDAKTEUR, dessen Shirt ein Smiley
mit zweimal X statt Augen sowie einer ausgestreckten Zunge ziert, ergreift
jetzt das Wort.
[font='&quot'][/font]


„Ja, aber wir
jüngeren Semester entdeckten irgendwann das Rebellische in der Musik von Tex,
wie sehr das Leben bei ihm Spuren hinterlassen hat, und seine Texte erst.
Absolut unglaublich!“


Klingt schon interessanter.


Jetzt ein REDAKTIONSMITGLIED,
auf dessen Bauch ein sehr muskulöser Mann mit freiem Oberkörper zu sehen ist,
welcher eine Flagge schwenkt, zeigt mit dem Daumen eben auf den Muskelprotz:


„Tex Connelly ist die
Country-Entsprechung hierzu!“


Komischer Typ der das sagt, spricht mich auch als Mann nicht sehr an. Schmunzele
in mich hinein.



Die Brust DES
NÄCHSTEN REDAKTEURS schmückte ein Abbild der englischen Königin, durchbohrt von
Sicherheitsnadeln, daneben Schrift in Erpresser-Manier. Er sagt:


„Weswegen wir dich
hierher gebeten haben, Bettina: Zumindest ich schätze dich als sehr gute
Autorin unseres Magazins, gerade was Punk angeht, bist du eine Expertin.
Vielleicht magst du dich etwas öffnen, für andere Musikrichtungen, die zwar auf
den ersten Blick nichts mit deinen Favoriten zu tun haben, aber man lernt ja
nie aus.“


Oha, jetzt wird ich wieder aufmerksamer, der Macker spricht
meine Sprache.


ZULETZT EIN T-SHIRT,
ADLER MIT BASEBALLSCHLÄGER UND OLIVENZWEIG.


„Bettina, du Süße,
machst einen auf hart, bist aber innen flauschig und knuffelig. Weißte
Sweetheart, was das richtige für dich wäre? Mal was anderes, nen
Tapetenwechsel, frische Luft, die Rübe durchpusten! Raus aus dem muffeligen,
stickigen good old Germany, rüber übern großen Teich, rein in das Land aus dem
Rock’n’Roll und Surf stammen! Mit anderen Worten: Wir von der „Hey!
Ho!“-Redaktion würden dich gerne rüber in die Staaten schicken, damit du einen
Artikel über den großen Tex Connelly schreibst! Na, wäre das was für dich?“


Ich jetzt geplättet, muss mich erstmal sammeln.


„Ich wartete jetzt
die ganze Zeit auf einen Auftrag. Und um aller meiner Sünden willen gabt ihr
mir einen.“

Richard Parzer

Praktikant

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30

Sonntag, 4. Januar 2026, 20:25

Bin schon gespannt , ob Bettina jetzt wirklich nach Amerika geht und dort als Journalistin Karriere macht . Sieht ganz danach aus ... Das Landschaftsbild ist schön geworden . Erinnert mich ein wenig an asiatische Seidenmalerei .

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